Die Kirchengemeinde der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder
in Prag 10 – Strašnice
gigt zu der Gelegenheit des 70. Jahrestages des Kirchengemeindehausaufbaus eine Jahrestagpublikation

DER ORT, DARAUF DU STEHST


Das 70jährige Bestehen des Gemeindehauses ist nicht unbedingt ein Schlûsselereignis im Leben einer evangelischen Gemeinde. Es gibt uns jedoch Gelegenheit zurûckzublicken zu den Anfängen, aus denen sich das heutige Gemeindeleben entwickelt hat. Und ebenso die Mõglichkeit, nach vorn zu blicken, um das, was sich als tragfähig erwiesen hat, auch fûr die Zukunft zu bewahren, und um andererseits ûberflûssig Gewordenes abzulegen.

Am Anfang der Gemeinde Strašnice stand die Arbeit mit Kindern (seit 1921) und die Grûndung der Predigtstation (1923). Die Grûndung einer eigenen Gemeinde verfolgt nicht nur den Sinn, ein eigenes Rechtssubjekt zu schaffen. Die Grûndung einer selbständigen Gemeinde sollte in erster Linie dem Aufbau eines umfassenden Gemeindelebens in Verkûndigung, Diakonie und Mission dienen. Die Leiter der damaligen Predigtstation entschieden sich deshalb, noch vor der formellen Gemeindegrûndung ein Gemeindehaus zu bauen, das der Gemeinde ihre praktische Tätigkeit ermõglichen sollte. Im Jahr 1930 wurde das viergeschossige Haus errichtet: der Gemeindesaal in Form eines Anbaus im Hof, eine selbständig benutzbare Empore im Zwischengeschoß, Räume fûr die Gemeindeverwaltung, Wohnungen fûr die Mitarbeiter der Gemeinde und zur Vermietung. Der nûchterne konstruktivistische Baustil lenkte durch seine Einfachheit die Aufmerksamkeit auf das Wesentliche, die Verkûndigung des Wortes und die lebendige Gemeinschaft. 1934 nach dem Ankauf einer weiteren Parzelle wurde der Gemeindesaal erweitert. Die Generalrenovierung Ende der 80er bis Anfang der 90er Jahre betraf vor allem den Gemeindesaal (Fußboden, Heizung, Stirnseite, Renovierung der Orgel) und weitere Veranstaltungsräume. In mehreren Etappen wurde jedoch auch der Wohnteil des Hauses in Angriff genommen (Erneuerung sämtlicher Wasserleitungen).

Der Bau des Gemeindehauses verschaffte der Gemeinde einen guten Start. 1939, zwei Jahre nach der Gemeindegrûndung wurde der erste Pfarrer Lubomír Balcar berufen. Nach seinem Tode im Jahr 1968 nahm sich Jiøí Lejdar der Gemeinde an, im Jahr 1993 folgte Pavel Klinecký. Die Prediger in Strašnice hatten die Mõglicheit, mit allen Generationen zu arbeiten und bildeten selbst eine Reihe von jungen Pfarrern aus. Große Resonanz fanden verschiedene kûnstlerische Aktivitäten, von denen einige auch in diesem Buch dokumentiert sind: Skulpturen, Gedichte und Prosa aus der Werkstatt der Evangelischen in Strašnice. Die diakonische Arbeit hatte in der Gemeinde von Anfang an ihren Ort im Frauenkreis des "Christlichen Diensts". In den letzten Jahren entwickelte sich dann eine enge Zusammenarbeit mit dem benachbarten Diakoniezentrum Ratolest ("Sproß").

Die Geschichte einer Gemeinde bleibt natûrlich nicht unbeeinflußt von äußeren Umständen. Schon die Entstehung der Evangelischen Kirche der Bõhmischen Brûder 1918 ist ohne ihre Vorgeschichte unter der õsterreich-ungarischen Monarchie nicht zu verstehen. So sehen bis heute selbst nûchterne Betrachter die faktischen Anfänge unserer Kirche schon in der Toleranzzeit oder sogar in der Zeit vor der Niederlage am Weißen Berg (1620). Der Zweite Weltkrieg und die vierzig Jahre der Totalität haben die Mõglichkeiten der Kirche nicht nur eingeschränkt, Ziel war vielmehr ihre Liquidierung. Andererseits schmiedete der äußere Druck die Gemeindeglieder auch zusammen und fûhrte zu einer Konzentration auf die wesentliche Mitte des Gemeindelebens. Gerade in dem durch die biblischen Grundlagen abgesteckten Raum kõnnen wir heute die Zukunft der Kirche erkennen: in der Ansage des Friedens, in der Hoffnung und in der Ermutigung zu tätigem Christsein angesichts der gegenwärtigen Bedrohungen.

"Eine Gemeinschaft, die von diesen Grundlagen getragen wird, die von ihren Gliedern, Gemeindevorstehern wie einfachen Kirchenmitgliedern, von unten aufgebaut wird, hat Hoffnung auch innerhalb der säkularisierten Gesellschaft Europas, von der man häufig denkt und sagt, daß sie krank oder im Absterben begriffen ist ... Die Aufgabe bleibt jedoch: das Evangelium zu allen Võlkern zu tragen - auch zu unserer Nation, die einst die Wahrheit Christi so sehr liebte, daß sie sie hõher achtete als ihr eigenes Leben. Was ist das heute fûr eine Nation? Ist sie wirklich eine Nation, die nicht ansprechbar ist? ... Oder bleibt im Leben der Menschen, die sich von der Kirche entfremdet haben, Raum, der darauf wartet, vom wirklichen Evangelium erfûllt zu werden, von der Hoffnung, die Kraft zum Leben gibt und die den Weg in die Zukunft erõffnet?"

Pavel Smetana, Synodalsenior der EKBB in: "Unser Leben währet siebzig Jahre"





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